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01.06.2026

30 Jahre OJARS: Was Offene Jugendarbeit bewirkt

Mit rund 100 Gästen, selbstgemachten Pizzen und einer bewegenden Talkrunde hat die Offene Jugendarbeit Region Sissach ihren 30. Geburtstag gefeiert. Was 1996 in einem Kellerraum begann, ist heute ein regionales Netzwerk, das Jugendliche nachhaltig prägt.

Am 30. Mai 2026 verwandelte sich das Gelände bei der Primarschule Dorf in Sissach in einen lebendigen Begegnungsort. Alt und Jung kamen zusammen, um drei Jahrzehnte Jugendarbeit zu feiern – mit Verpflegung, Spiel- und Bastelmöglichkeiten und einer aufblasbaren, sehr wackligen Leiter.

Den emotionalen Höhepunkt bildete die Talkrunde um 19 Uhr. Unter der Leitung von Thomas Furrer, Ressortleiter Kind.Jugend.Familie KJF und ehemaliger Leiter des Clubs Underground, sprachen Jugendliche, Fachleute und Gemeindevertreter über das, was Offene Jugendarbeit bedeutet.

Von wackligen Anfängen zur stabilen Institution
Christine Roth, ehemaliges Mitglied des Ausschusses, erinnert sich an die schwierigen Anfänge: Wenn die zwei angestellten Sozialpädagogen fehlten, blieb der Club Underground einfach geschlossen. Einige Gemeinden zogen sich zurück, die Finanzierung wackelte. Erst die Zusammenarbeit mit der Stiftung Jugendsozialwerk brachte Stabilität.

Silvio Strub, Gemeinderat in Itingen und Präsident des Trägervereins Offene Jugendarbeit Region Sissach, stellt fest: Öffentliche Aufmerksamkeit entsteht oft erst dann, wenn etwas schiefläuft – und dann seien es meistens «die Jungen», die als Problem wahrgenommen würden. Er wird mit Fragen konfrontiert wie: Braucht es die Offene Jugendarbeit überhaupt?

«Ich wäre nicht dort, wo ich heute bin»
Persönliche Geschichten der Jugendlichen, wie jene von Janis (21) zeigen eindrücklich, welche Wirkung die Offene Jugendarbeit hat. «Ich wurde akzeptiert, wie ich war: Laut!» Besonders prägend war für ihn die Zuwendung der Mitarbeitenden. «So möchte ich auch werden!» Heute macht der ausgebildete Fachmann Betreuung in der Offenen Jugendarbeit Region Sissach ein Praktikum.

Ein Ort, um sich selbst zu sein
Für die jugendlichen Talk-Teilnehmenden ist der Club Underground ein Ort, wo man abschalten kann und echte Gemeinschaft entsteht. «Man kann offener sein und den Mut finden, zu sich selbst zu stehen», sagt Nando, 16-jähriger Zimmermannslehrling. Sandro, 17, schätzt die Möglichkeit, vom Alltagsstress herunterzukommen. Salome, 16, vor allem die Akzeptanz: «Man wird so angenommen, wie man ist.»

Zunehmender Druck auf Jugendliche
Vor dem Hintergrund von Social Media, Informationsflut und wachsendem Leistungsdruck gewinnt diese Arbeit zusätzlich an Gewicht. Nando bringt es nüchtern auf den Punkt: «Wir sind zu oft am Handy. Man hört dem anderen nicht mehr wirklich zu. Wir sollten mehr rausgehen und miteinander reden.»

Leiterin Lea Strickler ergänzt aus fachlicher Perspektive: Gesundheit beginne nicht erst im Jugendalter, sondern schon viel früher – doch frühzeitige Interventionen seien nach wie vor zu selten. «Es gibt mir zu denken, was Einzelne bereits erlebt haben – genug für ein ganzes Leben.»

«Spürt immer wieder den Zeitgeist»
«Bleibt so, wie ihr seid», gab Thomas Mumenthaler, Gemeinderat in Diegten, den Anwesenden mit auf den Weg. «Und spürt immer wieder den Zeitgeist.»

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