17.08.2026
Wie ein Hilfseinsatz in Portugal junge Menschen verändert
Was entsteht, wenn 16 junge Menschen, die sich kaum kennen, gemeinsam in ein fremdes Land reisen, um anderen zu helfen? Die Antwort findet sich nicht nur an liebevoll gestalteten Wänden oder renovierten Räumen – sondern vor allem in den Herzen der Jugendlichen. Ein Bericht von Josua Robl, Leiter Kirchliche Jugendarbeit Diegtertal.
Eine Woche lang engagierte sich eine Jugendgruppe der Kirchlichen Jugendarbeit Diegtertal in Portugal bei einem sozialen Hilfsprojekt. Gemeinsam renovierten die Jugendlichen ein Haus, unterstützten einen Umzug und gestalteten mit viel Kreativität die Aussenwände einer sozialen Einrichtung. Mit selbst entworfenen Schablonen für gemalte Ziegelsteine und frei gestalteten Fischen verwandelten sie die Wände in einen farbenfrohen Ort, der die Menschen dort zum Lächeln bringt. Jede Farbe, jede Idee und jeder Pinselstrich wurden von den Jugendlichen selbst entwickelt und umgesetzt.
Aus Fremden wird eine Gemeinschaft
Doch schnell wurde klar: Es ging um weit mehr als Renovationsarbeiten. Aus zunächst fremden Menschen entstand innerhalb weniger Tage eine Gemeinschaft, in der Vertrauen, gegenseitige Unterstützung und echtes Miteinander selbstverständlich wurden. Dieses Erlebnis beeindruckte viele der Jugendlichen tief: „Am Anfang kannten wir uns ja eigentlich alle gar nicht und trotzdem sind wir in so kurzer Zeit zu einer richtig starken Gruppe zusammengewachsen. Das habe ich so vorher noch nie erlebt", erzählt eine Teilnehmerin. Von Grüppchenbildung oder Ausgrenzung war nichts zu spüren. Stattdessen erlebten sie, wie unterschiedlichste Persönlichkeiten ihre eigenen Stärken einbrachten und gemeinsam mehr erreichten, als jeder Einzelne für möglich gehalten hätte.
Den eigenen Beitrag sichtbar sehen
Besonders eindrücklich war das Erleben von Selbstwirksamkeit. Die Jugendlichen konnten unmittelbar sehen, welchen Unterschied ihr Einsatz machte. „Es war ein tolles Gefühl, gemeinsam etwas Praktisches zu schaffen und am Ende zu sehen, was wir alles erreicht haben", beschreibt ein Jugendlicher. Besonders bewegend war für viele die Erkenntnis, dass auch die Arbeiten der letztjährigen Gruppe bis heute sichtbar geblieben sind und das Leben der Menschen weiterhin bereichern.
Über sich hinauswachsen
Neben den Arbeitseinsätzen blieb Zeit für Begegnungen. Gespräche mit den Einheimischen, gemeinsames Lachen, Sonnenuntergänge am Atlantik, das erste Mal Surfen oder sogar der erste Flug überhaupt wurden zu Erlebnissen, die weit über den Moment hinausreichen. Viele Jugendliche überwanden persönliche Grenzen, trauten sich Neues zu und wuchsen über sich hinaus. Eine Teilnehmerin brachte es treffend auf den Punkt: Sie habe zum ersten Mal erlebt, dass sie auch ohne ihre Familie alleine im Ausland zurechtkomme – und dabei gemerkt, wie viel mehr in ihr steckt, als sie selbst geglaubt hatte.
Ein Blick auf eine andere Lebensrealität
Ebenso prägend war der Blick auf eine andere Lebensrealität. Der Besuch des Kindergartens und die Begegnungen mit den Menschen vor Ort führten vielen Jugendlichen vor Augen, wie selbstverständlich Dinge sind, die im Alltag oft kaum wahrgenommen werden: ein sicheres Zuhause, ein bequemes Bett oder ausreichend Essen. Aus dieser Erfahrung entstand keine Betroffenheit auf Distanz, sondern echte Dankbarkeit und der Wunsch, selbst Verantwortung zu übernehmen.
Gemeinschaft, die einfach entsteht
Als Sozialpädagoge war es für mich besonders berührend zu beobachten, wie junge Menschen Verantwortung übernahmen, ihre Talente entdeckten und sich gegenseitig ermutigten. Es entstand ein Raum, in dem Vertrauen wachsen durfte, jeder gesehen wurde und Gemeinschaft nicht organisiert, sondern gelebt wurde. Genau solche Erfahrungen stärken junge Menschen nachhaltig – weit über eine Projektwoche hinaus.
Mehr als ein renoviertes Gebäude
Am Ende blieb deshalb nicht nur ein renoviertes Gebäude zurück. Es blieben Beziehungen, neue Perspektiven, gewachsenes Selbstvertrauen und die Erfahrung, dass Engagement die Welt tatsächlich ein kleines Stück verändern kann. Die Freude der Einheimischen und der Stolz der Jugendlichen machten deutlich: Helfen verändert immer beide Seiten.
Wie es weitergeht
Nach diesem eindrücklichen Einsatz soll das Projekt auch im kommenden Jahr weitergeführt werden. Geplant ist erneut eine Reise nach Portugal, bei der gemeinsam ein Kindergarten renoviert und die Menschen vor Ort unterstützt werden. Jugendliche, die Lust haben, sich zu engagieren, neue Menschen kennenzulernen, ihren Horizont zu erweitern und Teil einer besonderen Gemeinschaft zu werden, sind herzlich eingeladen mitzukommen. Wer Interesse hat oder mehr über das Projekt erfahren möchte, darf sich gerne melden.